Strategiebericht: KI-Infrastruktur an unserer Schule – von Insellösungen zur integrierten Schulentwicklung
Im Rahmen des Projekts „Future Skills: KI & Co-Creation“ haben wir in den letzten Wochen intensiv analysiert, wie wir KI-gestützte Werkzeuge an unserer Schule sinnvoll, nachhaltig und möglichst wirksam einsetzen können. Im Zentrum stand die Frage, ob zusätzliche kostenpflichtige Plattformen wie fobizz tatsächlich einen Mehrwert bieten oder ob unsere bereits vorhandene Microsoft-Infrastruktur die Anforderungen für Unterricht, Vorbereitung und Fortbildung bereits weitgehend erfüllt.
Die Auseinandersetzung mit dieser Frage ist für unser Projekt von zentraler Bedeutung. Denn Embracing Technology bedeutet für uns nicht, möglichst viele verschiedene Tools zu sammeln, sondern digitale Werkzeuge so auszuwählen, dass sie den Unterricht verbessern, das Kollegium entlasten und eine langfristige schulische Entwicklung unterstützen.
„Uns ging es nicht darum, noch ein weiteres Tool einzuführen, sondern die vorhandenen Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen.“
— Lehrperson
„Wichtig war für uns, dass digitale Werkzeuge wirklich im Alltag helfen und nicht zusätzliche Arbeit erzeugen.“
— Lehrperson
Ausgangslage: Bedarf an KI-Kompetenz und klare Grenzen zusätzlicher Insellösungen
Bereits zu Beginn des Projekts zeigte sich, dass das Kollegium ein hohes Interesse an KI-gestützten Werkzeugen hat. Gleichzeitig wurde aber deutlich, dass zusätzliche externe Plattformen nur dann sinnvoll sind, wenn ihr Einsatz niedrigschwellig, nachhaltig und im Schulalltag gut integrierbar ist. Genau hier lag die zentrale Herausforderung: Viele Angebote sind technisch interessant, werden aber im Alltag nur von wenigen Personen genutzt.
Ein intensiver Austausch im Netzwerk Embracing Technology sowie die Rückmeldungen aus anderen Schulen machten deutlich, dass kostenintensive Einzelplattformen häufig an denselben Hürden scheitern: zu wenig Zeit für Einarbeitung, zu große Vielfalt an Tools und zu geringe Verankerung im Kollegium. Diese Erkenntnisse führten dazu, dass wir unsere eigene Strategie kritisch überprüften.
„Lehren aus Krems“: Externe Erfahrung als wichtiger Impuls
Ein besonders wichtiger Impuls kam aus dem Austausch mit einer Kollegin der HAK Krems. Dort wurden im größeren Umfang fobizz-Lizenzen sowie zusätzliche M365-Copilot-Lizenzen angeschafft. Der praktische Nutzen blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück: Trotz der hohen Investitionen wurde das Angebot nur von wenigen Lehrpersonen regelmäßig genutzt.
Die Rückmeldung aus Krems war für uns deshalb so wertvoll, weil sie ein bekanntes Muster sichtbar machte: Wenn ein neues digitales Werkzeug zusätzlich zu bestehenden Aufgaben kommt, wird es schnell als Belastung wahrgenommen. Selbst gute Tools entfalten dann nur begrenzt Wirkung, wenn das Kollegium im Alltag keine Zeit findet, sie in Ruhe zu erproben.
Diese Erfahrung hat unsere eigene Entscheidung wesentlich beeinflusst. Sie zeigte, dass technische Innovation allein nicht genügt. Entscheidend ist, ob ein Werkzeug in bestehende Arbeitsabläufe eingebettet werden kann und ob es von einer ausreichend großen Zahl an Lehrpersonen tatsächlich genutzt wird.
„Die Erfahrung aus anderen Schulen hat uns geholfen, die Investition nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch zu denken.“
— Lehrperson
„Ein Tool ist nur dann gut, wenn es im stressigen Schulalltag wirklich eingesetzt werden kann.“
— Lehrperson
Interne Bestandsaufnahme: Hohe Offenheit, aber begrenzte Tool-Zersplitterung
Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, wurde das Kollegium an unserer Schule befragt. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Die Offenheit für KI ist hoch, gleichzeitig gibt es aber bereits eine gewisse Fragmentierung im Tool-Bereich.
Zentrale Ergebnisse der Umfrage
- 25 von 29 Lehrpersonen nutzen KI bereits beruflich
- 17 Kolleg:innen verwenden KI wöchentlich oder täglich
- Am häufigsten genannt wurde ChatGPT
- Copilot M365 wird bereits genutzt
- fobizz spielt im Vergleich nur eine sehr geringe Rolle
Diese Zahlen sind für das Projekt sehr aufschlussreich. Sie zeigen einerseits, dass das Kollegium offen für digitale Unterstützung ist. Andererseits wird deutlich, dass viele bereits mit vorhandenen oder frei zugänglichen Lösungen arbeiten und keine zusätzliche Plattform mit eigenen Zugängen, neuen Oberflächen und zusätzlichem Schulungsbedarf benötigen.
Das bedeutet: Das eigentliche Potenzial liegt nicht in der Erweiterung um weitere Insellösungen, sondern in der systematischen Nutzung der bestehenden Infrastruktur.
„Die Umfrage hat gezeigt, dass das Kollegium nicht bei null steht, sondern bereits mit KI arbeitet.“
— Lehrperson
„Gerade deshalb ist es sinnvoll, auf etwas aufzubauen, das schon da ist.“
— Lehrperson
Entscheidung: Keine fobizz-Lizenzen, sondern Fokus auf M365
Auf Grundlage der externen Erfahrungen, unserer internen Umfrage und der technologischen Entwicklung bei Microsoft fiel die Entscheidung eindeutig aus: Wir werden keine fobizz-Lizenzen anschaffen.
Diese Entscheidung ist aus mehreren Gründen sinnvoll:
1. Geringe Nutzungserwartung
Nur sehr wenige Personen im Haus nutzen fobizz derzeit aktiv. Eine teure Schullizenz würde daher in keinem guten Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung stehen.
2. Vermeidung von Insellösungen
Eine weitere Plattform würde zusätzliche Schulungen, zusätzliche Zugänge und zusätzlichen organisatorischen Aufwand mit sich bringen. Genau das wollen wir vermeiden.
3. Nutzung vorhandener Infrastruktur
Mit Microsoft 365 und Copilot steht bereits eine umfassende digitale Umgebung zur Verfügung, die sich gut für Unterricht, Materialerstellung und Zusammenarbeit eignet.
4. Höhere Nachhaltigkeit
Wenn wir auf ein bereits etabliertes System setzen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es langfristig im Kollegium genutzt wird.
Diese Entscheidung folgt dem Grundsatz: Befähigung statt Beschaffung. Nicht die Anzahl neuer Tools ist entscheidend, sondern die nachhaltige Kompetenzentwicklung im Kollegium.
Budgetlogik und nachhaltige Mittelverwendung
Auch aus budgetärer Sicht ist die Entscheidung nachvollziehbar. Statt Mittel in eine weitere zusätzliche Plattform zu binden, werden sie dort eingesetzt, wo sie die größte Wirkung entfalten: in der Nutzung bestehender Systeme, in gezielter Fortbildung und in konkreter Unterrichtsentwicklung.
Die frei werdenden Ressourcen werden daher nicht in eine redundante Lizenzstruktur investiert, sondern in den Kompetenzaufbau des Kollegiums und in Maßnahmen, die direkt mit Unterricht und Schulentwicklung verbunden sind. Das stärkt die Förderlogik des Projekts, weil der Nutzen für möglichst viele Lernende und Lehrpersonen sichtbar wird.
Fortbildungsstrategie: intern, praxisnah und bedarfsgerecht
Ein weiterer zentraler Baustein des Projekts ist die Fortbildung. Die Umfrage hat gezeigt, dass 23 Kolleg:innen Interesse an einer SCHILF anmelden würden. Daraus ergibt sich ein klarer Auftrag: Die Fortbildungen sollen unmittelbar an den tatsächlichen Bedürfnissen des Kollegiums ansetzen.
Geplant sind daher interne Mikro-Fortbildungen und praxisnahe SCHILFs mit Fokus auf:
- lernförderlichem Umgang mit KI
- Unterrichtsvorbereitung
- Materialerstellung
- sinnvollem Einsatz von Copilot und Microsoft 365
- Reflexion über Chancen und Grenzen von KI im Unterricht
Besonders wichtig ist dabei der Ansatz der internen Dissemination. Der Austausch unter Kolleg:innen funktioniert oft niederschwelliger als externe Formate, weil er direkt an der eigenen Praxis ansetzt und Vertrauen schafft.
„Der wirkungsvollste Impuls kommt oft von Kolleginnen und Kollegen, die das Tool schon ausprobiert haben.“
— Lehrperson
„Wenn man sieht, wie andere es im Unterricht einsetzen, wird es sofort greifbarer.“
— Lehrperson
Vernetzung und Professionalisierung im Kollegium
Die Entwicklung zeigt, dass erfolgreiche Digitalisierung nicht von Einzelpersonen abhängt, sondern von einer gut vernetzten Schulgemeinschaft. Genau hier setzt unser Projekt an: vorhandene Expertise wird sichtbar gemacht, weitergegeben und gemeinsam weiterentwickelt.
Die Schule verfügt bereits über Lehrpersonen, die mit KI und Microsoft-Tools Erfahrungen gesammelt haben. Diese Expertise bildet die Grundlage für einen kollegialen Lernprozess, bei dem Best Practices ausgetauscht und gemeinsam weiterentwickelt werden. So entsteht keine Inselkompetenz, sondern eine breitere Professionalisierung.
Fazit und Ausblick
Die Analyse der eigenen Situation, die Erfahrungen anderer Schulen und die technologischen Entwicklungen bei Microsoft führen zu einer klaren Schlussfolgerung: Unsere Schule braucht derzeit keine zusätzliche kostenpflichtige KI-Plattform wie fobizz. Viel wichtiger ist es, die bereits vorhandene Microsoft-Infrastruktur gezielt zu nutzen, das Kollegium praxisnah zu unterstützen und die KI-Kompetenz intern weiter auszubauen.
Damit folgt das Projekt einer klaren Linie:
- keine Insellösungen
- keine redundanten Lizenzen
- keine unnötige Mehrbelastung
- dafür integrierte Nutzung, kollegiale Fortbildung und nachhaltige Schulentwicklung
So wird aus technischer Innovation ein echter schulischer Mehrwert.
„Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Tools zu besitzen, sondern die richtigen Werkzeuge sinnvoll in den Unterricht zu integrieren.“
— Lehrperson
„Wenn wir mit dem arbeiten, was bereits da ist, können wir schneller und nachhaltiger Wirkung erzielen.“
— Lehrperson

